Praxisleitfaden – Verdünnung & Dosierung von ätherischen Ölen
Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenessenzen. Bereits ein Tropfen enthält die Essenz der Pflanze in ihrer reinsten Form. So vereint ein Tropfen ätherisches Basilikumöl (Ocimum basilicum) die Essenz von 50 bis 70 frischen Basilikumblättern – etwa ein Viertel bis zur Hälfte eines ganzen Basilikum-Stocks. Eine Flasche entspricht damit sinnbildlich einem ganzen Basilikumfeld.

Diese Konzentration macht einen achtsamen Umgang notwendig. Die richtige Verdünnung und Dosierung sind entscheidend, um ätherische Öle im privaten Gebrauch sicher und wirksam anzuwenden. Meistens ist viel weniger nötig als wir vermuten, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Der private Einsatz orientiert sich häufig an Richtlinien des gewerblichen Bereichs und deren Sicherheits- und Qualitätsstandards.
Dieser Praxisleitfaden vermittelt dir wichtige Grundlagen und macht sie dir für deinen privaten Gebrauch verständlich. Er zeigt, warum und womit ätherische Öle verdünnt werden und was Konzentrationen wie 0,5 %, 1 %, 2 % oder 3 % bedeuten. So entsteht ein klares und sicheres Fundament für eine verantwortungsvolle Anwendung ätherischer Öle.

Bei richtiger Anwendung und Dosierung lässt sich die Pflanzenkraft der ätherischen Öle im Alltag achtsam, sicher und gut verträglich nutzen. Die Dosierung hängt unter anderem von der Sensibilität, dem Alter, dem Körpergewicht, der Anwendungsform, dem Ziel der Anwendung, ihrer Dauer und dem verwendeten ätherischen Öl ab. Eine angemessene Dosierung bildet die Grundlage für eine verantwortungsvolle Anwendung der Öle im privaten häuslichen Bereich.
So dosierst und verdünnst du ätherische Öle für deinen persönlichen Gebrauch
Was bedeutet Verdünnung & Dosierung bei ätherischen Ölen?
Verdünnung beschreibt, wie stark ein ätherisches Öl mit einem Basisöl gemischt wird. Dosierung gibt an, wie viele Tropfen eines ätherischen Öls tatsächlich verwendet werden. Beide Faktoren greifen ineinander und sorgen dafür, dass ätherische Öle sicher, sanft und zugleich wirksam angewendet werden können.
Warum ätherische Öle verdünnen?
Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenessenzen und – wie ihr Name bereits verrät – lipophile Substanzen, die sich bevorzugt in fetthaltigen Medien lösen. Deshalb werden sie mit einem Basisöl verdünnt. Die Verdünnung schützt die Haut vor Reizungen, verbessert die Aufnahme der Wirkstoffe, kann Leber und Hormonsystem entlasten und macht die Anwendung sicher und gut verträglich. Richtig verdünnt wirken ätherische Öle regulierend statt reizend – weniger wird mehr.
Womit ätherische Öle verdünnen?
Damit ätherische Öle sicher, gut verträglich und gleichmäßig angewendet werden können, benötigen sie einen passenden Trägerstoff. Dieser „trägt“ die hochkonzentrierten Duftmoleküle, verteilt sie sanft und sorgt dafür, dass sie sich optimal in der Haut oder in Zubereitungen entfalten können.
Pflanzliche Basisöle, Wachse, Fette und geeignete Emulgatoren bestehen überwiegend aus milden Fettsäuren und gleichen die Intensität ätherischer Öle aus – so wird die Anwendung harmonisch und sicher.
Geeignete Trägerstoffe sind zum Beispiel:
Pflanzliche Basisöle
Jojobaöl (flüssiges Wachs), Mandelöl, Sesamöl, Aprikosenkernöl, Macadamiaöl, Wildrosenöl, Nachtkerzenöl u. v. m.
Wachse & feste Fette
Sheabutter, Kakaobutter, Kokosöl, Bienenwachs – diese müssen vor dem Mischen geschmolzen werden, damit sich ätherische Öle gleichmäßig einarbeiten lassen.
Emulgierende Substanzen
Alkohol – insbesondere Ethanol – kann sowohl fett- als auch wasserlösliche Substanzen lösen und wird deshalb häufig für Sprays, Parfums oder Tinkturen verwendet.
Weitere natürliche Emulgatoren
Neben Basisölen und Wachsen gibt es weitere Stoffe mit emulgierenden Eigenschaften, die ätherische Öle aufnehmen können. Im privaten Gebrauch werden dafür häufig Sahne, Honig oder Zucker verwendet. Auch Säuren sowie kohlensäurehaltiges Wasser besitzen eine gewisse emulgierende Wirkung, da sie ätherische Öle in kleinen Anteilen binden können.
Da ätherische Öle jedoch grundsätzlich nicht wasserlöslich sind, reicht diese Bindung nur begrenzt aus. Für eine gleichmäßige und sichere Verteilung in Wasseranwendungen sind deshalb zusätzliche Emulgatoren sinnvoll.
Wie hoch sinnvoll dosieren? 0,5 %, 1 %, 2 %, 3 % oder 5 %
Die prozentuale Dosierung gibt an, wie viele Tropfen ätherisches Öl in ein bestimmtes Volumen Basisöl eingearbeitet werden. Sie ist ein zentrales Sicherheitskriterium in der Aromatherapie und dient als Orientierung für eine sichere und wirksame Anwendung. Grundsätzlich gilt: Je sensibler, jünger, älter oder geschwächter ein Mensch ist, desto niedriger sollte die Dosierung gewählt werden.
Die richtige Dosierung ätherischer Öle richtet sich nach Sensibilität, Alter, Körpergewicht, Art der Anwendung (z. B. Haut, Inhalation, Raumbeduftung), Dauer, dem Ziel der Anwendung (mentale, emotionale, körperliche oder atmosphärische Wirkung des ätherischen Öls) sowie den verwendeten ätherischen Ölen, die je nach Eigenschaften unterschiedlich wirken können – etwa mild, reizend, phototoxisch oder stark wirksam – und die ausschließlich als 100 % naturreine ätherische Öle verwendet werden sollten. Diese Faktoren bestimmen, welche Dosierung ätherischer Öle sicher und sinnvoll ist.
Zur einfachen Anwendung und besseren Messbarkeit der Dosierung im privaten Bereich werden meist Tropfen verwendet. Exakter ist jedoch die Arbeit mit Volumina: 1 ml ätherisches Öl auf 99 ml Basisöl entspricht einer 1%igen Verdünnung. Mit geeigneten Pipetten lässt sich 1 ml mehr oder weniger genau abmessen. Stehen keine Pipetten zur Verfügung, kann die Dosierung alternativ über die Anzahl der Tropfen erfolgen.
1 ml ätherisches Öl entspricht etwa 20–30 Tropfen, abhängig von Dichte und Viskosität des jeweiligen Öls. Sehr dünnflüssige ätherische Öle, wie viele Zitrusöle, bilden größere Tropfen – hier entsprechen oft bereits etwa 20 Tropfen einem Milliliter. Zähflüssigere Öle wie Vetiver bilden kleinere Tropfen, sodass hier ungefähr 30 Tropfen einem Milliliter entsprechen.

- Bis 0,5 % eignet sich für sehr empfindliche Haut, Kleinkinder, Gesichtspflege sowie für potenziell hautreizende ätherische Öle wie Zimt, Nelke oder Thymian ct. Thymol.
- 0,5–1 % wird bevorzugt bei Kindern, Schwangere, Senioren, für langfristige Anwendungen, Körperpflegeprodukte wie Cremes oder Wohlfühl-Massageöle sowie bei chronischen Themen und Entspannungsmischungen eingesetzt.
- 1–2 % sind üblich für Raumsprays, Körperanwendungen, Peelings, Duschgele, Teilkörperanwendungen sowie sogenannte „Schmerzöle“ in der Aromatherapie und Naturheilkunde.
- 2–3 % kommen in der Naturheilkunde bei akuten Beschwerden zum Einsatz und sollten idealerweise fachlich begleitet werden.
- 5–10 % werden vor allem für die Herstellung von Parfums verwendet.
Bei akuten Anwendungen kann die Dosierung kurzfristig höher gewählt werden, während für mentale, emotionale oder atmosphärische Wirkungen meist bereits niedrigere Konzentrationen ausreichen. Die richtige Dosierung schafft Sicherheit, Wirksamkeit und einen achtsamen Umgang mit der hochkonzentrierten Pflanzenkraft ätherischer Öle.
Grundlagen des gewerblichen Einsatzes
Für den professionellen Einsatz orientiert sich der Einsatz ätherischer Öle an genau definierten Richtlinien. Je nachdem, wie ein Produkt eingesetzt wird – etwa zur Raumbeduftung, als Lebensmittelaroma, in der Kosmetik oder für weitere Anwendungen können sich diese unterscheiden. Diese Einstufung bestimmt, welche Verdünnung, Dosierung und Sicherheitsanforderungen gelten.
Ätherische Öle in der Kosmetik – Verdünnung, Dosierung & Richtlinien
Die kosmetische Anwendung ist eines der wichtigsten Einsatzgebiete der Aromatherapie. Dabei gelten klare Richtlinien für die Verdünnung, die sich unter anderem an der Körperregion orientieren: Das Gesicht wird besonders sensibel betrachtet, während Extremitäten sowie Bereiche wie Bauch, Rumpf, Füße und Hände in der Regel höhere Konzentrationen vertragen.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist, ob es sich um ein Leave-on-Produkt handelt, das auf der Haut verbleibt, oder um ein Rinse-off-Produkt, das nach der Anwendung abgewaschen wird, etwa eine Reinigungsmilch. Als allgemeine Orientierung gilt eine Verdünnung von 3 % ätherischen Ölen in 97 % Basisöl, wobei es zahlreiche Ausnahmen gibt.
Einige ätherische Öle gelten aufgrund bestimmter Inhaltsstoffe als besonders reizend oder sensibel. Ein bekanntes Beispiel ist Rosenöl mit dem Bestandteil Methyl-Eugenol, der seit 2013 nur in sehr geringen, stark verdünnten Mengen in Kosmetikprodukten eingesetzt werden darf. Das ist einer der Gründe, warum viele sogenannte Rosenprodukte heute nur wenig echte Rose enthalten dürfen.
Für die Zulassung gewerblicher Kosmetikprodukte sind umfassende Sicherheitsbewertungen erforderlich, bei denen Inhaltsstoffe berechnet, geprüft und bewertet werden, um eine sichere Anwendung sowie korrekte und rechtlich zulässige Kennzeichnung zu gewährleisten.

Ätherische Öle im Lebensmittelbereich – Verdünnung, Dosierung & Richtlinien
Für die Verwendung ätherischer Öle in Lebensmitteln gelten besondere Regeln. Die Einnahme ätherischer Öle wird durch das EU-Lebensmittelrecht geregelt und legt fest, welche ätherischen Öle verwendet werden dürfen und in welchen Mengen sie Lebensmitteln zugesetzt werden dürfen.
Im Lebensmittelbereich wird die Verdünnung in Parts per Million (ppm) angegeben. Je nach Produktkategorie – etwa Getränke, Desserts oder Backwaren – gelten unterschiedliche Richtwerte. In Getränken liegen die Konzentrationen meist sehr niedrig, in der Regel unter 0,001 %.
Wichtig ist, dass nicht jedes ätherische Öl automatisch für den Lebensmittelbereich zugelassen ist. Die Freigabe hat nichts mit einer Bio-Zertifizierung zu tun, sondern damit, ob ein bestimmter Pflanzenteil oder die Pflanze offiziell als Lebensmittelaroma zugelassen ist. Einige ätherische Öle enthalten Inhaltsstoffe, die Schleimhäute reizen oder lebertoxisch wirken können. Daher dürfen in Lebensmitteln ausschließlich dafür zugelassene ätherische Öle verwendet werden. Der Lebensmittelbereich stellt entsprechend besonders hoher Anforderungen an Sicherheit, Dosierungsgenauigkeit und rechtliche Konformität.

Ätherische Öle in der Raumbeduftung – Verdünnung, Dosierung & Richtlinien
Für die richtige Dosierung in der Raumbeduftung gibt es keine einheitliche gesetzliche Regelung. Im privaten Bereich kann individuell entschieden werden, während im gewerblichen Umfeld bestimmte Vorgaben und Sicherheitsrichtlinien empfohlen werden. Wichtig ist in öffentlicher, gewerblicher Anwendung, Dosierung und Beduftungsdauer bewusst zu wählen und zu variieren. Orientierung bieten unter anderem die Richtlinien der IFRA (International Fragrance Association), die als Sicherheitsreferenz dienen.
Bei der Raumbeduftung werden ätherische Öle über die Atemwege aufgenommen und gelangen in die Lunge. Deshalb ist der Effekt von Molekülen auf Schleimhäute zu beachten, um zum Beispiel Reizungen zu vermeiden. Ein bekanntes Beispiel ist 1,8-Cineol (Eukalyptol): Dieser Inhaltsstoff ist nicht giftig und wird häufig in der Sauna eingesetzt, kann jedoch bei Kindern Atemnot auslösen. Entsprechend ist er in der Anwendung reguliert und nur in begrenzten Mengen erlaubt.
Grundsätzlich gilt: Kurzzeitige Beduftung kann etwas höher dosiert werden, während längere Beduftung deutlich niedriger dosiert erfolgen sollte. So bleibt die Raumbeduftung auf Dauer angenehm, wirksam und gut verträglich.

Ätherische Öle in der Parfümerie – Verdünnung, Dosierung & Richtlinien
Die Verdünnung ätherischer Öle in Parfüms folgt eigenen Prinzipien und blickt auf eine lange Tradition zurück. Die Parfümerie zählt zu den ältesten und kunstvollsten Anwendungen ätherischer Öle. Anders als in anderen Einsatzbereichen gelten hier keine festen gesetzlichen Vorgaben zur prozentualen Verdünnung, sondern historisch gewachsene handwerkliche und marktübliche Standards.
Bekannt sind die klassischen Duftkategorien, die sich nach dem Anteil an Duftstoffen richten:
- Eau fraîche: ca. 1–3 % Duftstoffe
- Eau de Cologne: ca. 2–5 % Duftstoffe
- Eau de Toilette: ca. 5–10 % Duftstoffe
- Eau de Parfum: ca. 10–20 % Duftstoffe
- Parfum / Extrait de Parfum: ca. 20–30 % Duftstoffe (höchste Konzentration)
In der modernen Parfümherstellung werden sowohl natürliche als auch synthetische Duftstoffe eingesetzt. Naturparfüms enthalten ätherische Öle, oft ergänzt durch Absolutes, sowie Hilfsstoffe wie Fixative oder Glycerin, die die Haltbarkeit und Duftentwicklung beeinflussen. Immer häufiger sind Naturparfüms auf Trägerölbasis. Dies vermeidet Alkohol und bringt zusätzlich pflegende Eigenschaften.
Parfüms unterliegen der EU-Kosmetikverordnung und dürfen maximal 30 % Duftstoffe enthalten. Zahlreiche ätherische Öle und Duftinhaltsstoffe sind dabei streng reglementiert oder nur in sehr geringen Mengen erlaubt, darunter Bergamotte (Furocumarine), Nelke (Eugenol), Lemongras (Citral) sowie deklarationspflichtige Allergene wie Linalool, Limonen, Cumarin, Safrol, Estragol oder Thujone.
Auch in der Parfümerie sind Qualität, Fachwissen und eine verantwortungsvolle Dosierung entscheidend, um ätherische Öle sicher, harmonisch und gesetzeskonform einzusetzen.

Ätherische Öle in der Aromatherapie – Verdünnung, Dosierung & Richtlinien
Aromatherapie ist ein weites und zugleich sensibles Fachgebiet. Ihre Anwendung erfordert medizinische und aromatherapeutische Fachkenntnis und sollte von Ärzt*innen, Heilpraktiker*innen oder zertifizierten Aromatherapeut*innen begleitet werden – insbesondere, wenn Medikamente eingenommen werden, da es zu Wechselwirkungen kommen kann.
Ätherische Öle können medizinische Therapien sinnvoll unterstützen, ihre konkrete Anwendung hängt jedoch immer vom einzelnen Menschen, vom Beschwerdebild sowie davon ab, ob es sich um eine akute oder chronische Situation handelt. Dieser Bereich erfordert viel Fachwissen und individuelle Begleitung, weshalb hier bewusst nicht ins Detail gegangen wird.
Ätherische Öle sind gebündelte Pflanzenwirkstoffe, wie sie in dieser Intensität in der Natur nicht vorkommen. Erst durch Extraktion werden sie in dieser Form gewonnen – deshalb ist es wichtig, sie für jede Anwendung angemessen zu verdünnen.
Die richtige Dosierung hängt vom Einsatzbereich ab, etwa ob es als Raumbeduftung, Kosmetik, Lebensmittelanwendung, Parfümerie oder Aromatherapie angewendet wird. Für jeden Bereich gelten eigene Gesetze, die festlegen, wie und womit ätherische Öle eingesetzt werden dürfen. Eine zentrale Voraussetzung ist dabei stets die Qualität: Es sollten ausschließlich 100 % naturreine ätherische Öle verwendet werden.
Grundsätzlich gilt: Je weniger Erfahrung im Umgang mit ätherischen Ölen vorhanden ist, desto niedriger sollte die Dosierung gewählt werden. Mit zunehmender Kenntnis lassen sich Inhaltsstoffe gezielt berücksichtigen, individuelle Reaktionen besser einschätzen und Anwendungen bewusster anpassen. Ein achtsamer, informierter Umgang bildet die Grundlage für eine sichere, wirksame und verantwortungsvolle Anwendung ätherischer Öle.
Autor*in: Oshadhi GmbH